Rückblick JAM22

Mit einem sehr motivierenden Festvortrag von Dr. Anton Wankhammer unter dem treffenden Titel „Chance Allgemeinmedizin” wurde der heurige “Junge Allgemeinmedizin Kongress” (JAM22) eröffnet. Auch viele andere Vorträge und Workshops schafften es an diesem Wochenende, unseren Blick neben den Herausforderungen des alltäglichen Arbeitens vor allem auf die vielen Chancen, die die Allgemeinmedizin als Fachbereich bietet, zu lenken.
Circa 100 junge und angehende Allgemeinmediziner:innen trafen sich vom 23. bis 25. September 2022 beim JAM22 in der Klagenfurter Alpen-Adria-Universität. Der jährlich in einer anderen Stadt in Österreich stattfindende Kongress der Jungen Allgemeinmedizin Österreich (JAMÖ) dient der Fortbildung, aber auch der Vernetzung von an Allgemeinmedizin interessierten Kolleg:innen aus ganz Österreich.
Das Kongress-Programm war auch heuer wieder sehr vielfältig. Neben den beliebten Klassikern wie „Sonographie in der Allgemeinmedizin“ und der „Harnsediment-Mikroskopie“ wurde auch Wert auf aktuelle Themen gelegt, wie beispielsweise „Long Covid“, „Klimawandel in der Primärversorgung“, „assistierter Suizid“ und eine Podiumsdiskussion zum Thema “Psychische Folgen einer Krise“.
Großes Thema am Kongress war natürlich die wenige Tage zuvor beschlossene Einführung des „Facharztes für Allgemein- und Familienmedizin“. Bereits in den Eröffnungsworten wurde deutlich, welch wichtiger Schritt diese Novelle in der Allgemeinmedizin-Ausbildung, der viele Gespräche über mehrere Jahrzehnte vorausgingen, für die Allgemeinmedizin ist: Einerseits geht damit eine deutliche Verbesserung der Ausbildung, insbesondere durch eine deutlich längere Zeit in der Lehrpraxis, einher. Andererseits erhält die Allgemeinmedizin damit die wirklich verdiente Anerkennung als eigenes Fachgebiet mit ihren eigenen Aufgaben und Kompetenzen.
Großen Anklang fand in diesem Zusammenhang auch der Workshop “Allgemeinmedizin gestalten”, bei dem unter der Leitung von JAMÖ-Obmann Dr. Richard Brodnig eifrig Ideen gesammelt wurden, die die Ausbildung angehender Allgemeinmediziner:innen verbessern könnten. Genannte Punkte sind unter anderem eine fixe Ansprechperson für die angehenden Allgemeinmediziner:innen im Krankenhaus (z.B. durch einen allgemeinmedizinischen Ausbildungsverantwortlichen), verpflichtende Tätigkeit in Ambulanzen, Entlastung der betroffenen Ärzt:innen von nicht-ärztlichen, oft bürokratischen Routinetätigkeiten sowie ein einfacherer Ausbildungswechsel zwischen den einzelnen Bundesländern. Vor allem die Einbindung angehender Allgemeinmediziner:innen in das Team der jeweiligen Abteilung ist für Brodnig essentiell, um einen rascheren Lernerfolg erzielen zu können.
“Ein wichtiger Punkt bei den Ausbildungsneuerungen wird sein, die Entlohnung in der Lehrpraxis-Zeit adäquat anzupassen. Es darf nicht sein, dass die jungen Ärzt:innen in dieser Lebensphase, in welcher die Familienplanung ein wichtiges Thema ist, teilweise mehr als die Hälfte ihres Gehaltes verlieren”, so Brodnig.
In den Rückmeldungen nach dem Kongress wurde dem Team der JAMÖ vor Augen geführt, wie wichtig Austausch, Information und Vernetzung sind. “Es freut uns sehr, dass wir Feedback von Studierenden und Ärzt:innen erhalten haben, die durch unseren Kongress neue Aspekte der Allgemein- und Familienmedizin kennengelernt haben und sich jetzt deutlich besser vorstellen können, in Zukunft Allgemeinmediziner:innen zu werden. Zudem haben sich einige Interessierte gemeldet, die sich in weiterer Folge in unserem Verein engagieren und die Allgemeinmedizin somit mitgestalten wollen”, so Kongresspräsidentin Dr. Madeleine Leustik.
Während einige noch immer den “klassischen Hausarzt”, der als Einzelkämpfer in seiner Praxis sitzt, vor sich haben, wenn das Thema Allgemeinmedizin fällt, sind die Möglichkeiten, in der Primärversorgung tätig zu werden, mittlerweile deutlich vielfältiger. Neben der traditionellen Einzel-Ordination werden immer mehr Gruppenpraxen und Primärversorgungszentren eröffnet. Außerdem besteht die Möglichkeit, im Angestelltenverhältnis bei einem anderen Arzt/einer anderen Ärztin zu arbeiten. Vor allem für junge Ärzt:innen ist der Austausch mit Kolleg:innen während der Arbeit sehr wichtig, sodass diese neuen Arbeitsformen für sie besonders interessant sind.
Zur Förderung des Teamspirits durften auch Social Events im Rahmen des Kongresses nicht fehlen. Als großes Highlight wurde heuer, neben einer Einheit „Line Dance“ am Samstagmorgen und dem stets beliebten Speed Friending am Kongress-Eröffnungstag, am Samstagabend eine Schifffahrt am Wörthersee organisiert, wo sich die Teilnehmer:innen in entspannter Atmosphäre und bei guter Kulinarik kennenlernen und eine gesellige Zeit miteinander verbringen konnten.
Vollgetankt mit viel Motivation und neuen Ideen konnten die Teilnehmer:innen nach einem erfolgreichen JAM22-Kongresswochenende schließlich an ihre Arbeitsplätze zurückkehren und können sich nun der vielen Chancen erfreuen, die als Allgemeinmediziner:innen auf sie warten. Wir als JAM22-Team können unseren nächsten JAM-Kongress mit seiner Planungsphase schon kaum erwarten.